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Grauer Kapitalmarkt grotesk: Eigentlich sollten im Luxushotel “Maritim Dubailand” längst Gäste wohnen. Auf dem Wüstengrundstück befindet sich aber bislang nur eine Baugrube. Deutsche Anleger haben den Hotelflop mitfinanziert. Einem jungen Finanzwirt aus Hamm vertrauten sie Millionen an.

Hamm/Dubai – Drei Kräne, ein paar Baucontainer und eine riesige Baugrube – viel mehr gibt es nicht zu sehen auf dem Grundstück im Hinterland Dubais. Nur wenige Arbeiter sind zu entdecken – sie machen nicht den Eindruck, als wollten sie sich verausgaben.

Was an gleicher Stelle zu dieser Zeit eigentlich geplant war, steht im Emissionsprospekt eines geschlossenen Immobilienfonds, des Hotelfonds Dubai 1000: Ein Luxushotel, ausgestattet mit 1000 Zimmern, 50 so genannten Ownersuiten und – als besonderem Bonbon – dem “Ein-Zimmer-Ein-Auto-Konzept”, bei dem die Übernachtungsgäste eigens bereit gestellte Fahrzeuge kostenlos nutzen können. Schon im Juli dieses Jahres hätte das Haus die ersten Besucher aufnehmen sollen.

Tat es aber nicht. Und auch in nächster Zukunft wird kaum ein Gast im Hotel “Maritim Dubailand” absteigen. Denn im Moment ist kaum absehbar, wann der Bau fertig gestellt wird.

Zahlreiche deutsche Kapitalanleger kommt das teuer zu stehen. Denn diese haben den Fonds mit reichlich Eigenkapital ausgestattet. Wie viel die Anleger genau zum Investitionsvolumen von insgesamt knapp 143 Millionen Euro beigesteuert haben, ist allerdings offen. Initiator Georg Recker aus Hamm in Westfalen macht dazu keine Angaben. Die 70 Millionen Euro, die laut Markterhebung des Analysten Stefan Loipfinger zusammengekommen sein sollen, werden von Insidern als zu hoch gegriffen angezweifelt.

So oder so steht der Beteiligungsmarkt, in dem Jahr für Jahr zweistellige Milliardensummen eingesammelt werden, damit allen Bestrebungen und Beteuerungen für mehr Transparenz, Professionalität und Seriosität zum Trotz einmal mehr am Rande eines Anlagedesasters größeren Ausmaßes.

Was ist passiert? Am Anfang standen – wie so oft – große Versprechungen. In Hundertschaften hatte Recker vor rund zwei Jahren Anleger und potenzielle Vertriebspartner in Dubai begrüßt. Der Junginitiator – Anfang 30, Typ Dampfplauderer und bis dato vor allem als Steuerexperte und Seminarveranstalter aufgefallen – hämmerte seinen Gästen an zahllosen Wochenenden die Vorzüge seines ersten Beteiligungsangebots ein. Dubai boomt, der Fremdenverkehr ebenso. Was läge da näher als ein Hotel in der Wüste zu bauen?

Das Projektteam löst sich in Luft auf

Aber nicht irgendeine Herberge sollte es sein. Diplom-Finanzwirt Recker wollte das größte Vier-Sterne-Hotel im arabischen Raum, mitten im Herzen des geplanten Mega-Freizeitparks “Dubailand” sollte es stehen. Ein neues Monument der Gigantomanie im an Superlativen ohnehin schon überfrachteten Dubai. Wenn schon, denn schon.

Viele waren auf Anhieb begeistert. Und die wenigen, die Bedenken äußerten, wurden von Recker und seinen Jüngern gnadenlos abgebügelt. Risiken? Gelächter!

Unter jenen, die sich tatsächlich beteiligt haben, herrscht inzwischen Ernüchterung. Von Reckers Versprechungen hat sich noch kaum eine bewahrheitet. Insbesondere die prognostizierten Ausschüttungen von durchschnittlich 10 Prozent pro Jahr sind nicht in Sicht.

Dabei sah das Vorhaben auf dem Papier zunächst wirklich vielversprechend aus. Eine Reihe prominenter Partner hatte Recker mit ins Boot geholt. Vom Edel-Interieur-Designer Bost in Berlin über die Siemens-Tochter SIAT sowie die weltweit renommierte Projektmanagementgesellschaft Drees + Sommer (“Zentrale Deutsche Post, Bonn”, “Aqua City Palace, Moskau”) bis zu Dewan, einem der führenden Architekturbüros im arabischen Raum, reichte die Liste der am Projekt beteiligten Unternehmen. Mit Maritim war auch schon ein namhafter Betreiber gefunden.

Inzwischen ist von Reckers Dreamteam nicht mehr viel übrig. Lediglich Designer Bost hält dem Jungunternehmer aus Hamm uneingeschränkt die Treue. Das Architekturbüro SIAT? Schon vor Monaten aufgelöst. Der Projektmanager Drees + Sommer? Recker kündigte den Vertrag bereits im April 2006 wegen angeblich mangelhafter Leistung.

Der Initiator stellt sich tot

Anfang dieses Jahres sprang mit Bernhard Ilming auch noch Reckers wichtigster Berater in Hotelfragen ab. Und die Maritim-Gruppe? Laut Informationen von Marktbeobachtern war der Vertrag mit der Hotelkette auf ungewöhnliche Weise zustande gekommen. Recker habe die Kooperation direkt mit der Maritim-Zentrale in Bad Salzuflen vereinbart, schreibt der Brancheninformationsdienst “Hottelling”. Der übliche Weg über den Maritim-Auslands-Entwicklungspartner HMS in Köln sei umgangen worden.

Jetzt teilt Maritim auf Anfrage mit, das Thema Dubai 1000 Hotelfonds werde gerade bearbeitet. Zurzeit seien definitive Aussagen dazu nicht möglich. Echte Vorfreude auf eine Hoteleröffnung klingt anders.

Die kann nach Einschätzung von Experten ohnehin frühestens in zwei Jahren aufkommen. Und das auch nur, wenn von nun an mit Hochdruck gearbeitet wird – wovon aber gegenwärtig keine Rede sein kann.

Von Georg Recker war zu alldem keine Stellungnahme zu bekommen. Insbesondere die Fragen, welches Unternehmen zurzeit die Bauarbeiten vor Ort betreibt und wann mit einer Hoteleröffnung zu rechnen ist, blieben unbeantwortet. Zu den offenen Forderungen seiner (Ex-)Geschäftspartner äußerte er sich ebenfalls nicht.

Gegenüber seinen Anlegern zeigt sich der Initiator dagegen wesentlich kommunikativer. Mit seitenlangen Schreiben versucht er sie bei Laune zu halten. Die Verzögerungen von “sicherlich 12 Monaten” seien auf eine verspätete Übergabe der Grundstücke in “Dubailand” zurückzuführen, schreibt Recker da. Er sei aber stolz, bereits einen 500 Meter langen Zaun errichtet sowie mehrere Baucontainer aufgestellt zu haben.

Weiter heißt es: “Die Hotels in Dubai sind mit mehr als 85 Prozent Auslastung voller Besucher von nah und fern. (…) Viele Besucher aus Kuwait und Saudi Arabien machen ihren Jahresurlaub mittlerweile in Dubai und nicht mehr in Europa.”

Wären die Anleger des Dubai 1000 Hotelfonds an einem anderen Hotel in Dubai beteiligt, würden sie sich über diese Informationen sicher sehr freuen.

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